Akten der (nervigen) Wesen

Eine bescheidene Liste von Wesen, die dir den Tag verderben.

Kådnyr
Gefahr: Überforderung

Der Kådnyr

Geliraptor plumatus

Nordische Rudeltiere mit hoher Intelligenz, ausgeprägter Eigenwilligkeit und bemerkenswerter Neugierde. Reagieren extrem empfindlich auf Monotonie und wenn man ungefragt ihre Federn andatscht. Zeigen eine deutliche Tendenz zum Herumalbern und große Experimentierfreude. Testen Geduld. Bis zum Äußersten. Und bringen gerne ihre Umwelt durcheinander.

Forschertipp: Geduld ist ein heiliges Gut.
Pautymen
Gefahr: Pedanterie

Der Pautymen

Pautymen rufipennis

Anpassungsfähige Flügelwesen aus den Steppengebieten, jedoch flugunfähig (erinnere sie nicht daran). Fleißig, krallenwerklich hochbegabt und mit ausgeprägtem Ordnungssinn ausgestattet. Zutiefst überzeugt davon, mit Hammer und Meißel sowie spontanen Verbesserungen alles optimieren zu können. Auch den Hammer. Und die Meißel. Und sie halten Vorträge darüber.

Forschertipp: Kommentiere ihre Arbeit niemals mit „bassd scho“.
Nachtkreatur des Winters
Gefahr: Noch mehr Pedanterie

Die Nachtkreatur des Winters

Pautymen caeruleipennis

Hochgebirgsbewohner der gemäßigten Breiten mit ausgeprägtem Identitätsstolz. Bezeichnen sich stolz als „Polartiere“ und führen ihre Gletscher als Beweis an (werden aber stattdessen von den Kådnyren belächelt). Taxonomisch jedoch Pautymen und ebenso überzeugt, mit Hammer und Meißel alles optimieren zu können. Erinnere sie nicht daran – sonst folgen Vorträge.

Forschertipp: Lobe ihre Frostresistenz (auch wenn sie klein ist). Vermeide Vergleiche mit ihren subtropischen Vettern.
Mensch
Gefahr: Formalität

Der Mensch

Homo sapiens

Anpassungsfähiges Wesen, das ausschließlich auf den Hinterläufen steht. Lebt nahezu überall, obwohl es schneller friert oder einen Sonnenbrand bekommt als die meisten anderen Wesen. Neigt dazu, alles zu verwalten. Mit Datum. Und Unterschrift. Geht offenbar davon aus, die Welt würde einfacher, wenn man sie durch Verwaltung unnötig verkompliziert.

Forschertipp: Sie sind paradox. Mit Klemmbrett und Anzug kannst du sie vergraulen.
Drache
Gefahr: Geduld

Der Drache

Squamosaurus resistens

Schuppiges Reptil mit außergewöhnlicher Ausdauer und nahezu unerschütterlicher Gelassenheit. Die einzige bekannte Spezies, die sich durch umfangreiche Bürokratie nicht aus der Ruhe bringen lässt. Reagiert auf Motivationsversuche mit ausgeprägter Sturheit. Bewegung erfolgt bevorzugt nach eigener Entscheidung.

Forschertipp: Den Wecker im Nebenraum platzieren.
Mnåtumun
Gefahr: Vernunft

Das Mnåtumun

Nivipes nocturnus

Fellige Wesen aus dem subarktischen Süden. Wirken übertrieben mystisch und verbringen ihre Zeit bevorzugt mit Analyse und logischer Einordnung. Neigen dazu, ungefragt Lebensratschläge zu erteilen. Strukturiert, nachvollziehbar, aber dennoch falsch. Gehen dabei stets davon aus, hilfreich gewesen zu sein.

Forschertipp: Verwirre sie mit paradoxen Aussagen.

Wie sie die Welt auf den Kopf stellen

Athgard ist der Planet, auf dem sie leben. Er ist einigermaßen erdähnlich, ewig weit weg, aber wenn man genau hinsieht, merkt man schon, dass die Welt durch diese sechs nervigen Wesen (oder fünf, aber die Nachtkreaturen haben mir verboten, sie zu „vergessen“) geformt wurde.

Wie es scheint, haben die sechs Wesen jeweils verschiedene Aufgaben: Kådnyre forschen, Mnåtumun beurteilen, Pautymen führen aus, Nachtkreaturen führen besser aus, Menschen verwalten und Drachen testen. Natürlich ist das nicht offiziell, aber die Tendenz spricht für dieses Bild. Vor allem, da die Kådnyre mit ihrer exzessiven Experimentierfreude und Albernheit den Fortschritt vorantreiben (wenn er nicht gerade von den Mnåtumun als Unsinn abgestempelt wurde). Das beweist die Tatsache, dass die Relativitätstheorie im Jahr 1495 von einem Kådnyr namens Silbermond Silverstrøm entwickelt wurde, weil dieser seinen Vater überfordern wollte.

Und trotzdem entdeckte die Zivilisation schon frühzeitig die Energieerzeugung durch Wind-, Wasser- und Sonnenkraft. Später kam dann auch Wasserstoff als Energieträger hinzu. Fossile Brennstoffe haben sie zwar auch entdeckt, allerdings schafften sie sie sofort wieder ab. Offenbar sind die Gründe es qualmt, es stinkt und es macht eine Sauerei ausreichend. Also setzten sie gleich auf grüne Energien, was ich zunächst sehr sympathisch fand. Aber dann mopste mir ein Kådnyr mein Notizblock und ich fand die Welt wieder nervig. Interessant ist auch, dass ihre Zivilisation nicht auf Ressourcenausbeutung basiert. Sie haben zwar Minen, aber auch nur, weil sie das Gestein für Werkzeug und Bauten brauchen. Demnach konnten die urbanen Zentren Athgards nicht aufgrund industrieller Vorteile entstanden sein. Stattdessen entstanden sie aus der Mischung aus großen Handelshäfen, die wirtschaftlichen Aufschwung versprachen, und den Status als Kulturstadt. Damit konnte die Einwohnerzahl auf bis zu vier Millionen wuchern. Man sollte sich aber nicht täuschen lassen, denn meistens denken die Bewohner, ohne sie würde die Welt zusammenbrechen. Und in der nächsten Gasse werden sie ausgeraubt. Wie man feststellt, ist der Wachstum stark wirtschaftlich angetrieben. Das ist wohl auch der Grund, warum die Studienplätze für Wirtschaftspolitik oder Geowirtschaft (ja, ich habe auch nicht gewusst, dass es das gibt!) ständig überfüllt sind.

Verbunden werden die Städte durch Expresszüge und Expressfähren, die stets mit Wasserstoff angetrieben werden. Und zwischen den Städten ist viel Platz. Da kann es mal vorkommen, dass eine offene Landschaft von ein paar Schienen durchzogen werden. Interessanterweise schaut das gar nicht so hässlich aus, wie ich vorher dachte. Die Expresszüge und Expressfähren werden von überstaatlich beauftragen Großunternehmen verwaltet. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass die Expresszüge auch pünktlich abfahren. Wenigstens kann man die unendliche Wartezeit damit verbringen, indem man sich über die verwirrenden Zeitzonen, die man passiert, den Kopf zermürbt. Und wenn doch mal ein Zug pünktlich kommt, kann man sich überlegen, ob dieser eine Stunde zu früh abgefahren ist, weil er sich bei den Zeitzonen verrechnet hat. Die Autokultur stand wohl nie zur Debatte. Sie kamen schlichtweg nicht auf die Idee, Autos zu bauen. Was vielleicht gut ist, denn dadurch werden ihre Kontinente nicht mit Asphaltstraßen zugepflastert. Dafür gibt es an den Küstenstädten viele private Boote an Anlegern, die ein wenig abseits von den großen Handelshäfen sind.

Athgard besteht aus mehreren Staaten. Zwischen manchen von ihnen besteht eine innige Freundschaft, die durch Verträge und Bündnisse verstärkt wird. Zwischen manchen von ihnen bestehen politische und wirtschaftliche Spannung, die gerne aufgeheizt werden, weil der eine Staatschef dem anderen versehentlich auf den Schlips tritt. Und wenn einem Land viel zu viele Faktoren auf den Schlips treten, zum Beispiel, weil sein Meerzugang zu eingeengt ist, wird es schnell mal beleidigt und geht in den Expansionsmodus. Und dann wird dieses Land automatisch gemieden, weil niemand durch unsicheres Gebiet fahren möchte (die Unternehmen setzen ja auf die Sicherheit ihrer Fahrgäste). Der beleidigte Staat verliert an Einfluss, weil Handels- und Transitwege sie auch meiden. Und sie steigern sich noch weiter rein in den Expansionsmodus. Klassischer „Expansions-Isolations-Kreislauf“, wie ein Geowirtschaftler es bezeichnen würde. Manchmal eskaliert es sogar zu einem Krieg, aber dann eher territorial begrenzt, weil man ja die heilige Infrastruktur mit den zu spät kommenden Zügen nicht zerstören will. Deshalb gelten ideologische Kriege als besonders gefährlich. Wenn man aber das Ganze betrachtet, stellt man fest, dass die Kriegsfrequenz nicht allzu dicht ist; die Geschichte ist von vielen kriegsfreien Jahrzehnten gespickt.

Zwischen den Städten gibt es einzelne Dörfer, die durch Regionalzüge vernetzt werden. Aber überwiegend gibt es unbebaute große Landschaften, teilweise mit einer Fläche, in der locker ein ganzer Staat reinpassen würde. Diese Naturräume werden sogar geschützt und teils auch erforscht, natürlich mit der Voraussetzung, nichts zu zerstören. Das ist einerseits schön, aber andererseits muss man zehntausend Formulare ausfüllen, um ein Naturpark betreten zu dürfen, weil man zigtausende Vorschriften und Sicherheitsmaßnahmen beachten muss. Und dann stellt man fest, dass man sich vorher hätte anmelden sollen.

Seit dem Jahr 1972 gibt es auch eine Mondkolonie, die von der SBRA (=Sternenbootreederei Athgard) gebaut wurde und unterhalten wird. Sie wird dauerhaft von Wissenschaftlern und ihren Familie bewohnt. Der Bau war motiviert durch wissenschaftliche Neugierde, weniger aus Expansionsgründen. Es fliegen regelmäßig Fährenkapitäne zum Mond und wieder zurück, um Post, Krimskrams oder was auch immer zu bringen. Allerdings kann es vorkommen, dass die Raumfähre mal auf dem falschen Mond landet (Athgard hat zwei!), aber – wie ich erfahren habe – sind die Gründe rein kådnyrisch. Daraus folgt dann erfahrungsgemäß, dass der Kådnyr anschließend zur Strafe Brotkrümel auf dem Mond sammeln muss.

Zeitrechnung

Der erste Band – „Verirrt im verbotenen Wald“ – beginnt am 13. Windmonat 1982 n. Hf. - aber ... was bedeutet das eigentlich?

Zunächst: Die Zeitrechnung beginnt mit der „Nacht mit den Himmelsfeuern“. In der Nacht vom 31.12.1 v. Hf. auf den 1.1.1 n. Hf. waren am Äquator sowohl Nordlichter als auch Südlichter zu sehen, sprich … Himmelsfeuer. Das war für sie so besonders, dass sie diese Nacht ständig als Referenzpunkt nahmen. Und daraus wurde eine Zeitrechnung, die international akzeptiert wurde. Ich möchte allerdings nicht wissen, was für ein Sonnensturm da nötig war, um die Lichter am Äquator tanzen zu lassen. Wahrscheinlich verwandelten sich die Polargebiete in ein magnetisches Tohuwabohu.

Das Jahr wird auf Athgard in zwölf Monate aufgeteilt. Das ist erschreckend ähnlich wie bei uns, aber es gibt doch minimale Unterschiede:

* Aufgrund der astronomischen Jahreslänge von 365,24 Tagen wird alle fünf Jahre ein Tag hinzugefügt, und alle fünfundzwanzig Jahre ein weiterer Tag. Ich habe Mitleid mit all diejenigen, die am 30.02. Geburtstag haben.

Die aufgelistete Zeitrechnung gilt für die Nordhalbkugel. Auf der Südhalbkugel sind nämlich die Monate genau anders herum, denn da heißt der erste Monat „Mittsommer“, was echt verwirrend ist. Und in den Tropen hat man die Zeitrechnung einfach ohne Überarbeitung übernommen, wahrscheinlich, weil sie aufgrund ihres monotonen Klimas nicht genug Kreativität hatten, eigene Namen zu erfinden. Deshalb finde ich es sehr amüsant, wenn man in den Tropen behauptet, es sei der „12. Schneemonat“.

In den Geschichten bleiben wir aber bei den irdischen Bezeichnungen „Januar“, „Februar“ usw., sonst muss ich ständig nachschauen, wie der elfte Monat heißt. Und das ist nervig. Und fehleranfällig. Und nervig. Hab ich das schon erwähnt?

Die Jahreszeiten sind aber gegenüber unserer Zeitrechnung ein wenig verschoben:

Um es also final zu entschlüsseln: Wenn der 1. Band am 13. Windmonat 1982 n. Hf. beginnt, bedeutet das, grob übersetzt, am 13. September, und zwar im 1982. Jahr nach der Nacht mit den Polarlichtern am Äquator. Und zwar astronomisch im Sommer, meteorologisch bereits im Herbst.